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Isis
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Alter: 50
Anmeldungsdatum: 07.09.2002
Beiträge: 15599
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BeitragVerfasst: Do 05 Mai, 2011 17:17  Titel:  [Reisebericht] Nochmal Wüstentour  Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Peabody hat folgenden Bericht geschrieben:



Wüstenreise

Im Januar waren wir wieder unterwegs und nachdem sich alles etwas beruhigt hat ,wird es so langsam Zeit einen kleinen Bericht loszuwerden.
Die Wüste macht süchtig.
Samy, der die Tour im letzten Jahr für uns organisierte ( da gibts auch irgendwo hier einen Bericht), hat nun eine Reiseagentur in Deutschland. Jedoch als ich die Reise plante, hat er noch keine individuellen Reisen angeboten. Also habe ich Waheed, den Beifahrer vom letzten Jahr angeschrieben. Mit ihm haben wir uns dann verabredet.
Nach ein paar wunderschönen Tagen in Assuan, die ausgefüllt waren mit Treffen und Besuchen befreundeter Familien fuhren wir Silvester zum Treffpunkt nach Luxor.
In Kharga hatte es einige Verwicklungen mit den Polizeiformalitäten gegeben. Vorsichtshalber hatten unsere Reiseleiter ein Hotel ausgeguckt mit einer herrlichen Silvesterparty. Ihnen war allerdings die Erleichterung anzumerken, als wir ihnen sagten, dass wir lieber im Sand schlafen würden. Daher sind wir bis Dachla durchgefahren, wo wir sofort eine Genehmigung bekamen. So flohen wir in die Dünen südlich von Dachla um dort Silvester zu feiern. Wir bauten unser Camp auf und es war bitterkalt. Es gab ein köstliches Mahl mit Hühnchen, Salat und Gemüse. Dann wurde die Glut gesammelt, damit es schön warm wurde. Und wir bekamen wunderschöne Beduinenlieder zu hören. Die Jungs hatten ihre Trommeln dabei. Wir hatten einen Riesenpanettone im Handgepäck, den wir mit Wunderkerzen schmückten, außerdem Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen, die wir mit Begeisterung und Tee verzehrten. Dann roch es furchtbar nach Benzin und wir durften nicht mehr rumlaufen, Das hat mich sehr entsetzt und mir kamen Fluchtgedanken. Um Mitternacht warf Waheed ein Streichholz in den Sand und wir bekamen unser privates Feuerwerk. 2011 riesengroß brennend im Sand, dazu ein herzallerliebstes Tischfeuerwerk. Danach kuschelten wir uns mit Tee in unsere Decken und genossen die Sternschnuppen.

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Neujahr


Mein Gemahl hat leider die Unvorsichtigkeit begangen mit vier Langschläfern zu verreisen. Das hat er während der Reise wohl mehrfach bereut. Jedenfalls hatte er am Neujahrsmorgen Gelegenheit für lange Fotospaziergänge bis der Rest der Reisegruppe endlich aufwachte. Nach einem ausgiebigen Frühstück beschlossen wir schwimmen zu gehen. Wie im letzten Jahr suchten wir dazu Magicspring auf, einen sehr gastlichen Ort mit römischem Brunnen, der leise vor sich hinsprudelt. Außerdem gibt’s Rückzugsmöglichkeiten zum Umziehen. Und sehr gutes Essen. Die Esserei hatte ich ganz verdrängt. Nach dem Bad war also Zeit für ein gutes Essen, das wir oberhalb der Quelle an einem schattigen Plätzchen genossen. Dann wanderten wir in die Altstadt von Mut und lernten wie man ordentliche Touristenfotos macht.
Die folgende Nacht sollten wir im Beduincamp verbringen. Unsere Zimmer lagen in einem Häuschen mit eigener Terasse. Aber erstmal wurde auf dem Dach Kaffee ( richtiger Kaffee!) getrunken und der Sonnenuntergang begutachtet. Dann hatten wir ein Rendevouz mit dem örtlichen Museumsvorsteher. Das hat so einen Spaß gemacht. Es handelte sich um ein Heimatmuseum und wir bekamen einen so wunderbaren Vortrag zu hören. Jetzt nicht unbedingt nur die Ausstellungsstücke betreffend, sondern von einer sprachlichen Brillanz, die Spaß machte.
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Altstadt El Quasr , Muzawaqa, Deir el -Haggar, Sandmeer

Am Morgen sollten wir erstmal Kultur tanken. Wir besichtigten noch einmal El Qasr. Diesmal zusammen mit Waheed, was sehr viel mehr Spaß machte als nur mit einem griesgrämigen Fremdenführer. Dieser wurde angewiesen nur noch arabisch mit mir zu sprechen und da war er gleich freundlicher. Waheed war so freundlich für die beiden Mitreisenden (meinen Mann und eine Freundin)zu übersetzen, was sehr lustig war, aber nicht sehr zum allgemeinen Verständnis beitrug. Wir beobachteten einen Schmied bei der Arbeit und Waheed erstand tatsächlich ein paar geschmiedete!! Stickmadeln für seine Mutter. Auf dem Rückweg liefen wir einer Schulklasse in die Arme. Die Kinder waren über die Abwechslung sehr erfreut und hatten allerhand Fragen an uns. Zum Glück hatten wir ein Fotobuch mit Deutschlandbildern und viele Schneefotos dabei.
Wir fuhren weiter nach Muzawaqa. Dort gibt es zwei interessante, offenbar sehr schön ausgeschmückte Gräber, deren Schlüssel irgendjemand mal vor langer Zeit verloren hat und eine Menge Höhlen mit morschen Knochen und Mumienresten drin. Das Ganze in einem malerischen Hügel. Hügel heißt bergauf und das mag mein Gemahl nicht. Daher schickte er uns alleine mit dem obligatorischen Antikenwächter los. Die Reiseleitung war sowieso beim Jeep zurückgeblieben, irgendwer musste ja drauf aufpassen und ein Rauchopfer bringen.
Schnell besichtigten wir noch den Tempel Deir el Haggar um uns dann endgültig in die Wüste zurückzuziehen.
Nein, uns ist nicht übel geworden. Seltsamerweise, denn im Sandmeer geht es wirklich auf und ab. Unterbrochen von ein wenig Gymnastik, weil der Beifahrer Abdul noch nicht alle Sandformen kannte und den Wagen ab und zu versenkt hat. Buddeln, schaufeln, Sandbleche raus und weiter gehts. Irgendwo in der Buddelkiste machten wir Pause und rollten die Dünen runter. Zum Glück gabs genug davon, so dass wir dem Cheffotografen nicht alle Motive zerstörten. Bei Sonnenuntergang kletterten wir auf einen Dünenkamm und sahen der Sonne beim Untergehen und den Reiseleitern beim Campaufbau zu. Wie immer durfte ich Waheed beim Kochen behindern und dabei Vokabeln lernen. Dann sind wir am Feuer beim Sternschnuppengucken eingeschlafen.


Westliche Wüste

Kaffee soll angeblich aus arabischen Ländern stammen. Das kann nicht sein, denn sonst würden die Araber Nescafe nicht für Kaffee halten. Wir sind Kaffeejunkies. Eins unserer Lieblingslieder beim Frühstück wurde der Java Jive. Vorzugsweise in der Fassung der Puppinisisters, weil wir die so schön immitieren konnten. Es war eine Wonne zu hören, wie unsere Reiseleiter nach ein paar Tagen „ A cup, a cup, a cup , a cup“ säuseln konnten.

Unser Weg führte uns in die Nähe von Farafra. Wir suchten eine kleine heiße Quelle auf und genossen ein ausgiebiges Bad. Die Herren Beduinen kochten derweil für uns. Schließlich war ja Mittagszeit. Endlich gesättigt fuhren wir weiter in die westliche Wüste. Die ist immer wieder schön. So schön, dass Abdul an einem Haltepunkt seine Schuhe vergaß und es erst am nächsten Aussichtspunkt bemerkte. Also ließ er uns dort für einen Fototermin zurück um erfolgloserweise seine Schuhe in der Wüste zu suchen .
Wir machten derweil ordentliche Touristenfotos vom Ausguck und ließen uns dort oben von ihm abholen. Weiter ging die Fahrt durchs „Zelttal“. Hunderte von weißen zeltartigen Hügelchen.
Hinter so einem fanden wir ein hübsches Plätzchen für ein Camp und begannen mal wieder zu kochen. Sport, essen, Sterne gucken.

Weiße Wüste

Das Frühstück am nächsten Morgen begann sehr spät und war sehr ausgiebig. Wir beschlossen daher großzügig aufs Mittagessen zu verzichten und fuhren in die weiße Wüste. Als wir an einem Beduinenzelt vorbeikamen, sollte ich mal eben aussteigen und Zwiebeln holen. Aha? Ok, mir blieb ja nichts anderes übrig. Vor dem Zelt saßen drei freundliche Männer und grüßten. Ich grüßte zurück und bat um Zwiebeln. Darauf fragte mich einer der drei mit welchen Spaßvögeln ich denn unterwegs sei. Ich erklärte, dass sie zwar verrückt aber sehr nett seien. Daraufhin schlug der nette Herr vor, dass wir uns doch erstmal zu ihnen setzen und Obstsalat essen sollten. Das war eine sehr nette Angelegenheit. Nur die Freundin haderte mit ihrem Schicksal, weil Obstsalat zu den Dingen gehört, die man in Afrika tunlichst nicht essen soll. Da wir ihr aber vorher schon Salat, frisch gepressten Obstsaft und Essen von der Straßenküche verpasst hatten, musste sie da durch. Nach einer gemütlichen Obstsalatrunde enterten wir erneut den Jeep, nicht jedoch bevor mir einer der Herren eine Tüte Zwiebeln zugesteckt hatte, die ich im Jeep großzügigerweise dem Urlaubschefkoch überreichte.
Wir stromerten durch die Wüste, bewunderten die Felsformationen und machten auf Aufforderung der Touristenfotoprofis eine ziemlich bescheuerte Aufnahme vor dem Hasenfelsen. Hauptsache die Jungs hatten ihren Spaß und ich bekomme ja sowie so schöne Bilder von meinem Cheffotografen. Der Abend brachte gebratenes Gemüse und Sakuti.

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Schwarze Wüste

Die Fahrt ging weiter durch die wunderbare Landschaft, wir kletterten durch Felsen, der Cheffotograf knipste, was das Zeug hielt. Dann wurden wir dann zu einer niedlichen wirklich schönen Minioase mit wunderbarer Quelle gebracht. Sie erinnerte uns an die Oase von Herrn Turtur aus „Jim Knopf“
Von der weißen gings nun in die schwarze Wüste. Dort gibt es vulkanische Gebilde und weniger Sand. Zwischendurch trafen wir auf Freunde aus Bahariya, die uns mit frischen Lebensmitteln für den Abend versorgten. Am nächsten Tag sollten wir wieder in die Zivilisation zurückkehren und Waheeds Familie kennenlernen. Darauf freute ich mich schon sehr.

Bahariya
Die nächste Zeit verbrachten wir mit Familienbesuch in Bahariya. Das war wunderschön.
An einem Tag stand Sightseeing auf dem Programm. Ich wollte endlich mal die legendären goldenen Mumien sehen, Die fünf Ausgestellten werden in einer Lagerhalle aufbewahrt , allerdings mittlerweile gebettet auf deutscher Technik, wie man uns stolz mitteilte. Weiter ging es zu den Gräbern des Djed-Amun-ef-Anch und seines Sohns Banentiu. Die Gräber sind wunderschön und da sie nur wenig besucht sind, sind die Farben extrem gut erhalten.
Es folgten der Alexandertempel und noch eine Ruine und viel Familienleben.
Mit kleinem Gepäck und viel Proviant, Wasser und Benzin gings in die nächste Runde.

Kleines Hügeltal
Unser Weg führte uns nach Südwesten in Richtung Niltal. Zu meiner Überraschung eine der einsamsten Regionen der Libyschen Wüste. Wir hatten noch eine lange anstrengende Wegstrecke vor uns und landeten am Abend im Land der Halbdrachen. Zumindest hat Michael Ende es bei Jim Knopf so beschrieben. Lauter kleine vulkanähnliche Hügelchen umgeben von Sand. Wir waren friedlich, sassen noch brav am Feuer und bekamen Gutenachtlieder vorgesungen.

Abu Muharik
Der Weg führte uns zum Väterchen Wanderdüne -Abu Muharik-, das ist eine Düne, die sich über 500 km erstreckt. Ein wunderschöner „Gebirgszug“ , der zum Klettern und Toben auffordert.
Zuerst jedoch eine äußerst öde Gegend. Und dann gings ab in den Sand. Wir durften wieder die Abhänge unter Zuhilfenahme beduinischer Zughilfe hinabrutschen und uns müde toben. Eine frisch geschlachtete Ente begleitete uns und diese wurde jetzt fachgerecht zubereitet. Ente im Magen macht friedlich und so ging dieser Abend ganz erfreulich zu Ende.

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Djara Cave

Am nächste Tag wollten wir einen Sandgeysir anschauen. Leider ist dieses Naturschauspiel von irgendwelchen neugierigen Idioten zerstört worden. Das ist unverständlich und traurig.

Die Djarahöhle ist eine trockene Tropfsteinhöhle. Sie stand als nächstes auf unserem Programm.
Sie ist wunderschön und Abdul und Waheed zündeten Kerzen dort an. Außerdem bereiteten sie in der Höhle ein Festmahl zu. Ich war noch einmal draußen und es war unbeschreiblich in diese von Kerzen beleuchtete Höhle zurück zu klettern und den Duft von gebratenem Hähnchen in die Nase zubekommen.
Die Nacht verbrachten wir zwischen Felsen in der Ebene. Es war furchtbar kalt. Lustig waren allerdings die weißen Mäuse, die es dort gab. Wenn sonst mit den Essensresten die Füchse gefüttert wurden, gab es hier von den Beduinen Salat und eine Mäusebadewanne. Dann wurde es so kalt, dass wir es vorzogen uns in unsere Schlafsäcke zu verkriechen und lieber zu schlafen.

Melonensteintal- El Heiz

Es gibt schon seltsame Gegenden in der libyschen Wüste. Zum Beispiel das Tal der Melonensteine. Da liegen Steine zu hunderten, die sehen aus wie große Melonen. Und nur da.
Irgendwie hab ich nicht so das Händchen für echte Touristenfotos und so eigneten sich unsere Reiseführer nach und nach meine Kamera an oder gaben genaue Anleitungen was und wie ich zu fotografieren hätte. Diese Fotos sind auch nicht viel bekloppter als die, die ich freiwillig gemacht hätte und so ließ ich sie gewähren.
Langsam wurde es Zeit zur Oase zurückzufahren. Um es mit meinem enormen geologischen Verstand zu beschreiben: Wir mussten über vier Abbruchkanten. Also vier sanfte Auffahrten über mehrere Kilometer und dann vier Steilabfälle hinunter, wobei der letzte natürlich der steilste war. Die Gegend war in etwa ein schlecht gefaltetes Tischtuch... oder so.
Auf jeden Fall war es spannend. Vor dem letzten Abgrund machten wir die obligatorischen Fotos und hinab ging es. Ich wusste nicht, dass Bremsen so schön singen können.
Wir kamen am späten Nachmittag in ElHeiz aus, einem kleinen Dorf, das zu Bahariya gehört.
Um einen weiteren Hotelaufenthalt zu umgehen, schlugen wir unser Nachtlager in den Dünen vor Bawiti auf. Hier gabs weder Füchse noch Mäuse, nur Hunde, die aber auch gefüttert und dann verscheucht wurden. Und die Nacht war wieder wunderbar kalt. Wir erzählten das Märchen vom Prinzessin auf der Erbse. Dann machte ich es umgekehrt, Thermowäsche, Fließpullover und- Hose. Fließjacke, Schlafsack, Zwischendecke, Schlafsack und zwei Kameldecken. Das ließ sich aushalten. Nur morgens, wenn die Sonne aufging, musste ich schnell genug die einzelnen Schichten loswerden, bevor ich gar gekocht war. Der Schlaf war trotzdem nicht so angenehm, weil irgendso ein Araber einen Sonnenblumenkern unter meine Matratze gekrümmelt hatte...



Bahariya 2.0

Wir kamen ziemlich zerzaust in Waheeds Heim an und waren froh, dass die Bewohner uns dennoch einließen. Der Abschied später fiel uns wirklich sehr schwer.
Wir verließen Bahariya gen Norden und schauten nochmal den Pyramidenberg und eine Kamelfarm an. Gut 100 km nördlich suchten wir uns eine nette Düne für den Abend.
Nach einem kleinen Abendspaziergang mit Dünenrutschen im Dunkeln verquasselten wir uns am Feuer und ich schlief auch dort ein. Das war vielleicht lecker kalt mitten in der Nacht!

Schloss des Arabers
Mit einem erneuten Versuch unseres Reiseleiters aus Kaffeepulver Cappuccino zu zaubern begann der nächste Tag. Er rührte mit viel Liebe und Sorgfalt, jedoch vergeblich.
Wenn wir geglaubt hatten, bis dahin alle Wüstengegenden gesehen zu haben, wurden wir hier eines besseren belehrt. Wir wähnten uns nach einiger Zeit in New Mexiko. Es gab Tafelberge und die Farben änderten sich in ocker und braun.
Unser heutiges Ziel war das Schloss des Arabers in der Nähe des Wadi al Hitan. Ein Felsen, der sich palastgleich in der Wüste erstreckt mit einer wunderschönen kleinen Düne davor.
Wir wollten noch einmal eine ruhige Nacht in der Wüste verbringen. Und das wunderschöne Plätzchen, das wir gefunden hatten, wurde uns verleidet. Da waren doch tatsächlich Menschen! . Zum Glück haben wir die bemerkt, bevor wir das Camp aufbauten. Also fuhren wir noch ein paar Kilometerchen und verkrochen uns in der Düne.

Wadi Hitan, Wadi Ryan

Es folgte einer der Höhepunkte der Reise, das Wadi al Hitan. Hier war auch einmal Meeresboden und hier strandeten Wale. Das Tal ist zum Unesco-Naturerbe erklärt worden und es gibt ausreichend Erklärungen und Hinweise. Mehrere gut bezeichnete Wege führen hindurch. Wir durften auf die Hügel klettern und der Fotograf lief ebenerdig und knipste alles weg.
Die Freundin bildete sich an den Hinweistafeln weiter und kam mit einer guten und einer schlechten Nachricht. Die schlechte: Klimatisch gesehen geht’s wieder zurück ins Wasser. Die gute: In den ersten zwei Millionen Jahre dürfen wir noch unsere Beine behalten.
Die Wale dort hatten nämlich Beinchen. Hier ist vor einigen Jahren der Beweis gefunden worden, das Wale Großsäuger waren, die zurück ins Meer gegangen sind. Dieser Spaziergang war ob der Gegend und der guten Stimmung wunderschön.
Natürlich gibt es auch ein Besucherzentrum mit Restaurant. Ein wunderschöner Bau, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Erstaunlich fand ich, dass Abdul in die Küche lief, sie übernahm und dort für uns kochte. Das sollte man mal in Europa in einem Restaurant versuchen. Hier kam auch noch eine andere Touristengruppe an, deren Reiseleiter ich wieder mal sofort vorgeführt wurde. Aber der Restaurantleiter beanspruchte mich für die Küche und sein Personal. Das war alles sehr lustig, aber anstrengend. Waheed rettete mich und ich durfte mit den anderen entspannen und mal wieder essen.
Die Oase Fayyum liegt an einem großen See. Dort gibt es das Wadi Ryan mit seinem Wasserfall inclusive Besucherzentrum, Cafe und Andenkenshop. Der Wasserfall hat in etwas die Qualität des Spillenburger Wehrs. Trotzdem mussten wir anstehen um an dem Touristenfotografierpunkt Fotos zu machen. Das war lustig, weil wir die einzigen Ausländer waren und es Spaß machte, den ägyptischen Familien beim Fotoshooting zuzusehen. Die wussten, wie man sowas macht!
Wir haben das aber dort auch ganz gut hinbekommen und sind auch nicht ins Wasser gefallen.
Wasser ist für Beduinen fasznierend. Daher kam ich auch gar nicht mehr in den Besitz meiner Kamera und die Jungs haben nur noch See und Tauben fotografiert. Alles seltene Motive. Ich liebe das Zeitalter der digitalen Fotografie.

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Kairo

Und nun ging es an die letzte Etappe. Kairo zur Rushour.
Weil wir alle keine Lust auf Hotel hatten, haben unsere Reisleiter eine Ferienwohnung in Gizeh gemietet. Im sechsten Stock eines Hauses mitten im Gewühl mit Fahrstuhl. Der blieb auch sofort stecken. Leider neige ich in so einem Fall zu leichter Hysterie und nach einem kleineren Anfall und unserer Rettung lief Waheed fortan freiwillig mit mir die Treppen. Er meinte, das sei weniger anstrengend. Nachdem das Gebäude und das Treppenhaus aussah wie der Rest von Kairo war die Wohnung eine Offenbarung. Riesengroß mit einem wunderschönen Wohnbereich und drei ordentlichen Schlafzimmern. Sogar das Bad war benutzbar.
Wir luden unsere Führer zum Abendessen in ein Restaurant ein. Es war ziemlich laut und fröhlich dort und auch da waren wir die einzigen Ausländer. Erstaunlich. Kaffee gabs hinterher in einem Straßencafe. Es war irgendwie unwirklich, draußen in der Wärme mitten in dem Gewühl zu sitzen und dem Chaos auf der Straße zuzusehen. Bald danach zogen wir uns in die Wohnung zurück. Obwohl wir am nächsten Morgen um vier Uhr aufstehen mussten, saßen wir bis zwei Uhr gemütlich zusammen.


Den Beitrag für Kommentare und Fragen zu diesem Bericht findet ihr hier:
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