Teil 2 - Wüsten Tour ins Dschebel Duchan Gebirge / Mons Porphyrites

Hier Fragen und Infos die das Reisen nach bzw. in Ägypten betreffen (keine Nennung von Veranstaltern / Anbietern)

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Teil 2 - Wüsten Tour ins Dschebel Duchan Gebirge / Mons Porphyrites

Beitragvon Isis » Sa 17 Feb, 2024 10:51

zum Bericht Teil 1 von 2022 - viewtopic.php?f=4&t=38715


nun ist auch schon wieder ein Jahr vergangen und ich zitiere erst mal mein „Vergangenheits Ich“ :)


Wir wurden uns leider aber auch klar darüber,
daß der Tag schon zu weit fortgeschritten war ....
So mußten wir schweren Herzens unseren Rückweg antreten, aber mit
dem Vorsatz, bei der nächsten Tour hierher wieder zurückzukehren.

Bei dem Blick nach hinten, auf das Gebirge des
Gabal Abū Duchān, „Berg des Vaters allen Rauchs“
oder Jebel Dukhan - "Rauchender Berg", sind wir uns noch mehr einig

… wir kommen wieder ...


und ja …. wir kamen dieses Jahr (2023) erneut ans Rote Meer,
um nun das Zentrallager von Mons Porphyrits zu erkunden.
Dieses Jahr mit dem Vorsatz, auf direktem Weg dorthin zu gelangen,
um mehr Zeit vor Ort zur Verfügung zu haben. Wir alle hatten ja noch die,
sagen wir mal „Holprige Wüsten Piste“ in guter Erinnerung
und die damit verbundene Fahrzeit, die wir, als nicht Wüstenbewohner,
nicht so abschätzen konnten. Vorweg gesagt … auch dieses Jahr lag ich
bei den Vorbereitungen der Tour wieder weit daneben, was die
Fahrzeiten in der Wüste betrifft und was einem dann tatsächlich
noch an Zeit vor Ort verbleibt.
Nun aber erst mal Schritt für Schritt, oder sagen wir besser
Meter um Kilometer, ab in die Wüste.

Wie auch letztes Jahr haben wir unsere Tour in Hurghada
um 7 Uhr morgens begonnen.

Bild

Recht schnell hatten wir auch wieder die Asphaltstraße verlassen.
Unser Fahrer, den wir auch letztes Jahr gebucht hatten, brachte uns seine
Heimat, der Wüste viel näher. Auch er fühlte sich mit Sand unter
den Rädern wieder richtig wohl und konnte Gas geben.

Bild

Dieses Jahr habe ich auch ein Paar kurze Videos
von unserer Off-Road Fahrt.



Hier sahen wir nun auch mal eine Wüsten Staumauer / Staudamm der
die Regenmassen bei Sturzfluten in der Wüste zurück halten soll aus
der Nähe. Es ist zwar kaum vorstellbar das hier in der Wüste schon
der Hochwasserschutz der Roten Meer Küste beginnt. Leider
wurde man aber erst im September 2023 nach der Flutkatastrophe in
Libyen mit Tausenden von Toten auf solche Dinge aufmerksam.
Es bleibt zu hoffen das Ägypten aus dieser Katastrophe gelernt hat
und sie ihren Hochwasserschutz ernster nehmen.

Bild

Vielleicht sollte ich hier auf die Details eingehen, was es für ein
Zeitaufwand bedeutet, mit einem Jeep auf den Wüstenpisten zu fahren.
Wir hatten dieses Jahr in unserem Streckenverlauf alles an
Untergrund dabei, wie bei Wüsten-Rallyes.
Von weicher Sandpiste ( Steckenbleiben) über feinen Schotter bis
hin zu großen Steinbrocken, die überquert werden mussten.
Hier habe ich euch mal in der Karte aufgezeichnet wie viel Zeit wir
für einzelne Streckenabschnitte benötigten.

Bild

Das erste Teilstück, vom Meer bis zu den Bergen, des Gabal Abu Duchan Massives bestand aus
weichem bzw. festgefahrenem Sand, hier kamen wir auch recht zügig voran.

Nach ca. zwei Stunden hatten wir unseren ersten,
kurzen Stopp an der Verladerampe.
(Infos siehe im Bericht 2022 - viewtopic.php?f=4&t=38715 )

Bild

auch hier ein kleines Video, auf dem man sehen kann, wie wir
den Berg hoch fahren zur Verladerampe
und kräftig durchgeschüttelt werden :)



und da wir bei Videos sind,
den Weg nach unten, den einst die Schlitten mit den
tonnenschweren Porphyr Blöcken genommen haben.



Unseren zweiten Stopp legten wir wieder an der
Zwischenstation ein.
(Archäologische Infos hierfür schaut ihr im Teil 1 des Berichtes
viewtopic.php?f=4&t=38715)

Bild

Für das ganze Teilstück benötigten wir insgesamt 30min.
Obwohl es mir viel länger erschien, bei dem ganzen
hin und her Geschaukel im Jeep.
Die Rückbank eines Jeeps ist bei einer Sitzhöhe von
geschätzten 30cm, doch nicht ganz so bequem,
da man sich ja auch irgendwie noch festhalten muss.
Geschweige dem, von der Frage wohin mit den
langen Beinen?

Bild

Aber nun sind wir wieder da wo wir vor einem Jahr schon einmal
waren. Bei meinen Recherchen zu Hause und bei der Vorbereitung
dieser Tour dachte ich mir nur … warum hatte „unser“ Beduine gesagt,
dass wir aus Zeitgründen nicht weiter in den Wadi Abu Mu’amal
(oder Abu Ma'amel ) fahren könnten, laut Karte ist es doch nur noch
ein kleines Stück gewesen.
(Teilstück 3 auf der Karte)

Bild

auch hier gleich mal vorweg ...für die Kilometer gesehene kurze Strecke
haben die längste Zeit gebraucht und zwar ganze 1 ½ Std.
Es ging die meiste Zeit nur im Schritttempo vorwärts und nun
im Nachhinein ist es auch klar, warum wir das letzte Mal
nicht genug Zeit dafür hatten.

Bild

Hier haben wir mit ein paar kurzen Videos
versucht das Ganze aufzuzeigen. Leider hat die „Wackelautomatik“
der Handys viel herausgefiltert, so dass es nicht genau dargestellt wird
wie „Wild“ es vor Ort eigentlich war. :)










Letztendlich haben wir unser Ziel das Zentrallager von Mons Porphyrites,
dann doch erreicht. Hier war dann auch Endstation für unsere Jeeps.
Unsere zwei Fahrer erklärten uns, da es noch „schlimmer“ werden würde
und sie ihre Autos noch brauchen, so wollten sie nicht
weiter in den Wadi hinein fahren.

Bild

zunächst hatten die Jeeps Pause und konnten nach der anstrengenden
Fahrt erst mal „abkühlen“.

Bild

Nachdem wir alle erst einmal unseren Rücken geradegebogen
und die ganzen Knochen sortiert hatten, widmeten wir uns zunächst
dem Zentral -oder besser gesagt- dem Südbrunnen.
Die Pfeiler des Brunnens gelten heute noch als das
Wahrzeichen von Mons Porphyrites

Bild

Es gibt hier zwei große Brunnen, die einst die Lagerstätte und die
Siedlungen in den Bergen versorgten. Einmal hier der Südbrunnen
und weiter hinten im Wadi der Nordbrunnen. Diese Brunnenkonstruktion
stammt aus der Römerzeit, wie uns die Graffitis zeigen.
Maxfield und Peacock gehen davon aus, dass er zeitgleich mit
dem Lager angelegt wurde. Sie stützen sich auf die Erwähnung
auf einem Ostracon aus Badia. Der Fund einer Münze aus der
Zeit 354-358 n. Chr. zeigt uns auch, das er später noch in Benutzung war.

Leider ist von dem einstigen Brunnenschacht nichts mehr erhalten,
da seine Lage inmitten des Talbettes des Wadi Abu Maamel, über
die Jahrhunderte allen Sturzfluten ausgesetzt war. Die Beduinen
nennen den Brunnen auch „Saqieh", nach der Brunnenkonstruktion,
die heute noch in Ägypten zu finden ist und in der griechisch-römischen
Antike auch weit verbreitet war. Von den einst 8 Säulen, die ein Dach
trugen, sind noch 5 Stück in ihrer vollen Länge erhalten geblieben.
Sie dienten ursprünglich zum Tragen eines Daches und haben mit
der eigentlichem Brunnenkonstruktion nichts zu tun.

Bild

Hier vielleicht zur besseren Übersicht erst mal einen Plan von
Maxfield und Peacock, den sie bei ihren Grabungen hier erstellt haben.
Sie haben auch eine „künstlerische“ Darstellung nach ihrer Vorstellung angefertigt, damit wir eine Vorstellung bekommen, wie es
eventuell ausgehen haben könnte.

Bild

wer es sich genauer ansehen möchte klickt hier die beiden links

https://api.nakala.fr/iiif/11280/41b8ea ... efault.jpg

https://api.nakala.fr/iiif/11280/47a26a ... efault.jpg

die einstige Ringmauer wurde im Abstand von 3,5m zu den Pfeilern
errichtet und soll heute noch 80cm hoch sein, es wird auch vermutet
das sie nichthöher gewesen ist. Das Ganze weist heute einen
Durchmesser von 22m auf.

Bild

Die Pfeiler wurden im Abstand von 3m aufgebaut, sie sind
heute noch in voller Größe bzw. Höhe erhalten geblieben.
Man kann das an der oberen Kante, die noch den
ursprünglichen Putz / Stuck vorweist, sehr gut erkennen.
Auch fällt auf, das die Pfeiler an der Basis unten breiter gebaut sind
als oben. Wenn man dann wieder die vielen Hochwasser
bzw. Sturzfluten bedenkt, die im Laufe der Jahrhunderte hier
durch gekommen sind, ist es ja fast ein kleines Wunder, das sie
den Elementen so getrotzt haben.

Bild

Nun kommen wir noch zu der Wasserverteilung.
Durch diese Rinne, die 10cm breit und 13cm tief ist, wurde das
Wasser wie in einem Ringkanal, hinter den Pfeilern in
große Außenbecken geleitet.

Bild

Bild

Diese großen Außenbecken verfügten über einen „Überlauf“ von
einem zum anderen Becken. In dem die Erbauer, einfach eine kleine
Kerbe in die Abtrennungen machten, war gewährleistet das sich
die Becken nacheinander füllten.
Wie viele Becken oder eben Wassertröge hier gefunden
wurden, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Hier vor Ort
sehen wir aber, dass das letzte für uns sichtbare Becken, noch
weiter ging und heute vom Geröll bedeckt ist.

Bild

kommen wir aber noch mal zu den Pfeilern.
Auf ihnen sind uns, von den vorab erwähnten Widrigkeiten
der Zeit, heute noch einige Graffiti erhalten geblieben.
Hier haben 1908 Lepsius, Couyat und Hekekyan Bey sich verewigt.

Bild

und diese hier haben wir auch noch gefunden.
Da das Licht nicht so gut war habe ich versucht die Bilder etwas
zu bearbeiten, damit man es besser erkennen kann.

Bild

Bild

Bild

was sehen wir da in der Ferne??
Rauch an unserem „Basislager“ ... als wir es erreicht hatten,
wartete schon ein leckerer Tee auf uns.
Wir stärkten uns und machten uns gleich weiter
zum Zentral Lager

Bild



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Re: Teil 2 - Wüsten Tour ins Dschebel Duchan Gebirge / Mons Porphyrites

Beitragvon Isis » Mo 11 Mär, 2024 20:33



Als Entdecker des Porphyr, der ihn am 23. Juli 18 n. Chr. entdeckte, gilt ein Mann,
namens Caius Cominius Leugas.
Er hat auf einer schwarzen Porphyr Stele eine Widmungsinschrift in
griechischer Sprache in Auftrag geben lassen. Diese erste Erwähnung des
Begriffes „ Porphyrite“ (πορφυρίτης) seitens der Römer, ist 1995 in einem im Steinbrucharbeiterdorf des „Bradford Bruches“ gefunden worden.

Auf der Stele ist zu lesen:
„Caius Cominius Leugas, der die Steinbrüche des Porphyrsteins, der Knekite und
des schwarzen Porphyrs entdeckte und auch mehrfarbige Steine ​​fand,
weihte Pan und Serapis, sehr großen Göttern, ein Heiligtum für das Wohlergehen
seiner Kinder. Das 4. Jahr von Tiberius Caesar Augustus Epeiph der 29..“
Übersetzung nach W. Van Rengen,
„A new Paneion at Mons Porphyrites“, Chronique d`Egypte 70 (1995 242-3)


So haben wir einen schriftlichen Beweis, dass hier die Ausbeutung der Brüche
unter der Regierung Tiberius, begonnen hatte und mehr als
vier Jahrhunderte bis in die 430er Jahren n. Chr. andauerten.

Bild

Das Zentrallager wurde meist als Präsidium (Festung) erwähnt.
Durch seinen Aufbau handelt es sich wohl aber eher um ein Stabslager mit dem
Sitz des Regionalbefehlshabers / Präfekten. Die Funde von Wohnungen für Beamten und Funktionäre zeigt uns deutlich den Unterschied zu dem Aufbau in Mons Claudianus,
(--> Bericht - Mons Claudianus <--)
wo es sich eher um ein Wohnlager handelte. Es wurden hier aber in der Nekropole neben
Männer auch Frauen und Kinder nachgewiesen, so dass es sich nicht nur um eine
reine Arbeitersiedlung gehandelt haben kann. Da die Dörfer hier in Mons Porphyrites
sich weit verstreut an den Rampen, zu den einzelnen Steinbrüchen befinden und
das Dorfleben dort stattfand, befinden wir uns nun im Zentralen Hauptstandort der gesamten Siedlung.


Bild

Da wir uns gerade hier im administrativen Bereich der Siedlung befinden, zunächst
erst einmal etwas zu den Arbeitskräften, die hier „verwaltet“ wurden.
Hier waren viele qualifizierte Steinbrucharbeiter beschäftigt. Die
Abrechnungsaufzeichnungen zeigen uns, das hier Beamte, Facharbeiter, Zivilarbeiter
und Hilfsarbeiter lohnberechtigt waren. Viele der Arbeiter verdienten ca. 47 Drachmen
im Monat, was doppelt so viel war wie der Lohn der Arbeiter im Niltal.
Auch wurden sie zusätzlich mit Lebensmitteln z.B. Weizenzuteilungen entlohnt.
Auf gefundenen Ostraka aus Mons Claudianus finden sich weitere Korrespondenzen,
da es sich um die gleichen Verwaltungsorganisation handelt, kann man sie auf hier übertragen.
Ich finde solche Korrespondenz immer am spannendsten,
da sie uns doch etwas über die Verwaltung und die Lebensbedingungen der Menschen erzählt.
So ist erhalten geblieben, dass die Arbeiter in zwei Gruppen eingeteilt
wurden. Die erste Gruppe wurde Pagani genannt, was für hochqualifizierte Arbeiter
wie z.B. Steinmetze und Schmiede steht. Die Pagani waren auch meist bezahlte
einheimische Arbeiter. Die andere Gruppe wurde Familia genannt und bestand
überwiegend aus Römern. Sie wurden als Hilfsarbeiter oder besser gesagt für Arbeiten
eingesetzt, die mehr Kraft als technisches Wissen erforderten. Sie waren bei der Verteilung
an letzter Stelle. Auf einem Ostracon das von Hélène Cuvigny (2005)
veröffentlicht wurde, ist uns auch eine Liste der Wasserverteilung hinterlassen worden.
Die Liste zeigt uns, das Personen mit den höchsten Rängen 6,5 Liter pro Tag
zugewiesen wurden. Steinmetze (Pagani) z.B. erhielten 3,25 Liter und die
ungelernten Kräfte der Familia Gruppe nur noch 2,16 Liter pro Tag.

Bild

Da wir uns gerade in der Zeit der Römer befinden, hier vielleicht mal eine
Rekonstruktion von J-C Golvin, wie er sich das Fort zu seiner Blütezeit vorstellte.

Bild

https://jeanclaudegolvin.com/de/mons-porphyrites/

Das Zentrallager ist 86m lang und auf der Zugangsseite des Haupttores 47m breit,
ausgerichtet ist das Fort in Nordsüdrichtung.
Wie ihr seht, ist es auf einem Felsvorsprung etwas erhöht aufgebaut, zum Schutz
vor der Flut. Es ist aber im Laufe der Jahrhunderte, an der Vorderseite
zum Wadi, leider vieles durch Abrutschen zerstört. Auf der Seite zum Berg hin ist
mehr erhalten geblieben, dass wir uns noch anschauen können.

Bild

Das Hauptlagertor, also der einstige Zugang, war gar nicht so einfach auszumachen
und wir mussten erst einmal über die Geröllmassen hinwegsteigen.

Bild

Oben angekommen, stehen wir auf dem ebenen Appellplatz.
Von hier haben wir einen Blick entlang der Außenmauern zum Berg (Bild 1).
Hier befindet sich noch der letzte Rest eines Eckturmes.
Das Lager verfügte einst an den zwei Hauptfronen über 3 Türme und
an drei Ecken über Rundtürme.
Beim Blick nach unten in den Wadi (Bild 2), können wir auch noch
gut die geböschte Außenmauer des Forts erkennen.

Bild

Nun befinden wir uns vor dem Haupttor. Die vielen Steinblöcke, die hier herumliegen,
zeigen uns, dass dieses Haupttor einst vermutlich von zwei Halbrundbastionen gesichert war.
Auf den ersten Blick erkennt man wohl keine Struktur des Forts, so erging es uns zumindest.
Auf Bild 1 schauen wir vom Haupttor IN das Lager auf die einstige „Hauptlagerstraße“
Bei Bild zwei AUS dem Fort auf den Eingang bzw. in diesem Fall dann auf den Ausgang.
Hier an der Innenseite der Wehrmauer soll sich auch eine Treppe befunden haben,
von der man dann anscheinend vom Turn auf einen Wehrgang gelangte.

Bild

Hier liegen auch noch die Pfeilerreste des Haupttores, über diese bewegen
wir uns nun zur ersten Tür, die uns in den Blick fällt.

Bild

Hier sehen wir nun über eine große Innenhofanlage hinweg bis zu den
höherliegenden Räumen, was die Lokalisierung der einzelnen Räume doch erheblich
erschwert. Laut dem Plan von T. Kraus, J. Röder und W. Müller-Wiener 1967
(den ich euch oben auch schon über die Satellitenaufnahme gelegt habe)
betritt man hier einen kleinen Vorraum, an dem sich dann, der
größer Raum mit den Pfeilern anschließt.

Bild

Bild

Die Pfeiler oder besser gesagt, gespaltene Granitbalken sind
im Querschnitt ca. 30 x 40 cm. Wie man gut erkennen kann, sind sie nicht weiter
bearbeitet, da man die Spaltkanten noch sieht. Sie wurden nur insoweit bearbeitet,
dass man Löcher und Nuten für Holzbalken eingelassen hatte. Es wird davon ausgegangen,
dass sie hier einst eine Dachkonstruktion gehalten haben.

Bild

Nach ein Paar Schritten erreichten wir auch sogleich eine große Zisterne.
Zu welchem Zweck sie genau hier gebaut wurde, ist noch nicht so ganz erforscht.
Um hier ein Bad zu vermuten, fehlen aber alle typischen Merkmale
(dazu später mehr im anderen Gebäude). Einige wollen hier einfach ein Wasserbecken
erkennen, das zur Versorgung des Forts gedacht war. Die Ziegel sind 32 x 16 x 7,5 cm
groß und wie wir heute noch sehen können, gut verlegt. Auch können wir heute
noch die Reste des Verputzes des Beckens erkennen.

Bild

Einst konnte man komplett um das Becken herumlaufen, um in dem nächsten
Raum zu gelangen. Heute sieht man noch die Reste der Seitenwand und eben die
Leibung der Türe. Neben der Tür kann man auch gut erkennen, dass hier nicht nur
lose Steine als Mauerwerk verlegt wurden (links) sondern auch mit Lehmputz
als Bindemittel, die Mauern aufgesetzt wurden. (rechts)
Hier erkennen wir auch, dass der größere Saal über mehrere Fenster oder Nischen
verfügte. Einige eingestürzte Nischen sind leider nur noch anhand der Steinbalken zu erahnen.

Bild

Nun ist es geschafft und wir blicken von der obersten Etage nach unten und haben
somit einen besseren Überblick. Hier kann man nun auch die Wandnische mit einer Breite von 1,02m und einer Tiefe von 0,65m erkennen. Nun sieht man auch, dass diese Nische sehr
aufwendig und sorgfältig aufgebaut wurde. Was uns somit auch zeigt, dass es sich hier um einen „wichtigen“ Raum handelt, der vielleicht auch für offizielle Anlässe genutzt wurde.
In dieser Nische wurde auch eine Spitzampore mit kaum leserlicher Inschrift gefunden.

Die Oberen Zimmer bzw. Räume, von denen man vermutet das sie die Unterkünfte
der Offiziere waren, konnten wir leider nicht mehr als solche erkennen.


Bild

Von hier oben können wir auch gut die Außenmauer bis zum Rundturm am
Eingangstor erkennen. Wir fragen uns in dem zisternen Raum, warum sich dort
zwei Granitpfosten an einer Tür befanden? Nun können wir es auch erahnen.
Von unten war es nicht erkennbar, dass sich um die Außenmauer
auch noch Räume befinden. Von den beiden Treppen, die im Plan eingezeichnet sind
haben wir keine Reste gefunden, nur eben diesen rechteckigen Raum / Turm
(den ich eingezeichnet habe).

Bild

Erst mal wieder zurück zur Lagerstraße … von hier unten haben einen Überblick
auf die Räume die sich direkt an der Felskante zum Wadi hin befinden.
Hier handelt es sich wahrscheinlich um ein Magazin.

Bild

Noch einmal einen Blick weiter in das Fort, wo man noch mehr
Schwierigkeiten hat einzelne Räume klar auszumachen.

Bild

Wir haben nur diese zwei Stücke gefunden,
aber konnten sie keinem Raum eindeutig zuordnen.

Bild

Nun machen wir uns noch mal auf den Weg die Festung bzw. das Zentrallager
von außen zu erkunden. Hier sind wir nun auf der gegenüberliegenden Seite
des Eingangstores. Die Wehrmauer verfügte zum Schutz, unter anderem über runde Zwischenbastionen, sowie einer runden Eckbastion. Da von dem oberen Mauerwerk
nicht mehr viel zu sehen ist, bleibt uns nur die Bücher zu befragen. Hier können wir jedoch nur nachlesen, dass sich wahrscheinlich auf der Mauerkrone ein Wehrgang befunden hat.
Auch ist nachgewiesen worden, dass sich neben dem Haupttor und an der
Südbastion Treppen befanden.

Bild

Die Außenmauern zum Berg hin wurden im Laufe der Nutzung auch
mit einer Verblendung aus fast unbearbeiteten Bruchsteinen verstärkt.
Danach erschien die Mauer doppelt so dick. Bei dieser Maßnahme wurde auch die mittlere
Bastion mit ummantelt, auch der Rundturm an der Nordostecke wurde mit einbezogen.
Nur mit dem Ergebnis, dass er nicht mehr rund war … die Arbeiter dachten sich wohl
schön muss es nicht aussehen - zweckmäßig ist besser :)
Vermutlich war die Baumaßnahme eher eine Reparaturmaßnahme
und wurde noch nicht einmal wegen Angriffen durchgeführt, sondern wegen der
Naturgewalten der Sturzfluten. Wie man heute sehen kann, war dies der gefährlichste
Feind der Festung.

Bild

Hier sehen wir eindeutig, dass das Fort erweitert wurde.
Der ältere Teil ist zumeist mit fast unbearbeiteten Bruchsteinen, die mit
Steinsplitt zum Ausgleich aufgeschichtet worden sind. Der neuere Teil verfügt
schon über größere roh bearbeitete Quadern.

Bild

Weiter geht es wieder Richtung Eingang, also nach Süden.
Die Außenmauer hier in Richtung Wadi wurde auf ihrer gesamten Länge nicht
verstärkt, aber dafür sehr stark geböscht aufgeschichtet, was ihr vermutlich mehr Halt gab.
Was aber auch nicht für ewig gehalten hat. Wie man sieht, haben sich die Steine ihren Weg den Berg hinab gesucht. Bei Nahaufnahme sieht man auch, wie
sich der Felsuntergrund immer mehr abbaut und es eine Frage der Zeit ist bis
die ganze Mauer nach unten abstürzt.

Bild

Nun sind wir wieder an der Seite des Eingangstores angelangt und widmen
uns noch dem Eckturm, der im Gegensatz zu den anderen Rundtürmen, als solcher
noch erkennbar ist. Hier können wir auch sehen, dass es sich um einen viereckigen Turm
handelt, der nicht nach außen vorgelagert errichtet wurde, sondern mit den zwei
geradlinigen Kurtinen einen rechten Winkel bildet.
Auch wurde er mit horizontal liegenden Eckpfeilern verstärkt, von dem wir heute aber
nur noch einen sehen. Es fällt auch auf, dass sich dort ein kleines
Nebentor in das Fort befand, dass aber später zugesetzt wurde.

Bild

Bild

Kommen wir noch einmal auf die Funde, die hier im Wadi bei Grabungen gemacht wurden.
Durch die extreme Trockenheit sind auch organische Materialien sehr gut erhalten,
sodass man sogar Textilfragmente gefunden hat. Auch wurden Schuhe,
Körbe, Seile und Papyrusreste gefunden.
Die gefundenen Tierknochen und Pflanzenreste erzählen uns etwas über die Ernährung und
Versorgung hier im Lager. Es wurden Reste verschiedener Nahrungspflanzen für
Tiere und Mensch gefunden. Sie wurden aber auch mit Fisch, Schnecken und sogar
Austern aus dem Roten Meer beliefert. Darüber hinaus wurden auch Wildtiere,
sowie viele Nutztiere als Nahrungsquelle genutzt.  
Was verwunderlich ist, dass noch keine Keile oder Hämmer gefunden
wurden, die hat man hier am meisten vermutet.

Bild

Es sind auch viele Lampen, Geschirr und reichlich Amphoren gefunden worden.
Wie wir auch an den Resten der vielen „Henkelchen“, die hier im
ganzen Gelände herumliegen, erahnen können.

Bild

Und nun noch unser „Bester Fund“ des Tages …
den wir natürlich unseren Nachfolgern auf dem Steintisch hinterlassen haben.


Bild

Nun aber weiter mit unserer Expedition.
Wir gehen als nächstes auf die Suche nach dem „Badehaus“, das vor dem Fort liegt.
Hier ein Bild von weiter oben am Berg, zur besseren Übersicht des Standorts.
Vor dem eigentlichen Gebäude sehen wir einen kleinen Vorplatz, der mit einer Breite
von 15m angegeben ist.

Bild

Über die Zweckbestimmung gibt es verschiedene Theorien. Meredith z.B. will
hier ein Bad erkennen, da er in dem 11 x 15m großen Haus, in den zwei
nördlichen Räumen, viele gebrannte Ziegel gefunden hat. Bei späteren Grabungen
wurde dies aber in Zweifel gestellt, da hier keine anderen Merkmale
wie z.B. Hypokausten der Heizanlage zu finden sind.
So geht z.B. Röder davon aus, dass es sich eher um ein Haus eines Kommandanten
gehandelt haben könnte. Einig sind sich aber alle, dass man ohne
weiter Grabungen nicht eindeutig bestimmen kann, ob sich hier
das Bad befindet oder doch oben im Fort bei der großen Zisterne.


Bild

Ich habe auch mal den Plan von John Gardiner Wilkinson herangezogen, denn wie
man hier auf den Bildern sieht - sieht man nicht mehr viel. Am auffälligsten sind
diese Granitpfeiler, die der Zeit und den Sturzfluten getrotzt haben und immer
noch aufrecht stehen. Die sieben Kammern, die man hier noch sehen könnte, haben
wir nicht im Einzelnen identifizieren können, da die Zerstörung doch zu gravierend ist.

Bild




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Re: Teil 2 - Wüsten Tour ins Dschebel Duchan Gebirge / Mons Porphyrites

Beitragvon Isis » So 24 Mär, 2024 17:02



nun aber weiter zu dem kleinen Tempel der Isis Megiste.
Wieder, zum besseren Überblick des Tempels, ein Bild vom Zentrallager
aus gesehen, damit man sich ein Bild von den nur noch bis max. 1m hohen
Bruchstein Mauern machen kann. Auch habe ich zum bessern Verständnis
einen Plan von Mexfield und Peacock dazu gepackt.

Bild

wie ihr auf dem ersten Bild gut erahnen könnt, war es sehr schwer den
Tempel überhaupt auszumachen. Von hier oben hatten wir einen schönen
Blick zu unserem Basislager.

Bild

Betreten wird der Tempel über die sehr stark verfallene Freitreppe, die mit
ihren 11 Stufen ,fast die gesamte Breite des eigentlichen Tempels einnimmt.
Der Isis Tempel wurde von Couyat (1909) zuerst identifiziert.

Bild

Bild

Er fand diesen Sturz im Tempel auf dem Isis Megiste erwähnt ist, das er
für sie im Jahre 113 n. Chr. errichtet wurde.
Da der Sturz im Winter 1997/98 gestohlen wurde, greife ich
auf dieses Bild von Mexfield und Peacock zurück.
Leider habe ich die genaue Übersetzung der Weiheinschrift nicht gefunden.

Bild

Hier blicken wir erst einmal auf die Außengebäude, die wohl
erst später an den eigentlichen Tempel gebaut wurden.
Es wird vermutet das sie für rituelle Gegenstände gebaut wurden,
die die Priester für Zeremonien verwendeten.

Bild

Der Tempel bzw. die Cella besteht aus einem rechteckigen Raum,
der durch die am Eingang begrenzten Mauern unterbrochen ist.
Es wird davon ausgegangen, das die heute nur noch ein Meter hohen
Bruchsteinmauern einst über einen Lehmziegelaufbau verfügten.

Bild eins Blick nach oben und Bild zwei nach unten zum Eingang.

Bild

Hinter dem Tempel in der Felswand liegt diese kleine Höhle.
Wie man aus dem Plan entnehmen kann, wurde der Eingang von
einer Mauer umfasst.
Welchen Zecke diese kleine Höhle erfüllt hat, kann ich in der
mir zu Verfügung stehenden Literatur leider nicht entnehmen.

Bild

Der weitere Weg führt uns an der Arbeitersiedlung vorbei, zumindest ist
es so in den Pläne verzeichnet. Wir haben nur diese Höhlen, die in den
Fels geschlagen wurden gefunden. Da die Aushöhlungen nicht gerade Tief
in den Fels getrieben wurden, frage ich mich, wofür sie denn eigentlich
gedacht waren. Aus diesem Grund haben wir dem Gebiet auch
nicht viel Zeit gewidmet.

Bild

Es gibt uns aber mehr Zeit, einmal auf die Zahlen der „Bevölkerung“ im
ganzen Gebiet der Brüche zu schauen. Wie oben schon erwähnt, wurden
hier nicht nur Gräber von Männern, sondern auch von Frauen und Kindern
gefunden. Da bis jetzt noch keine Aufzeichnungen zur tatsächlichen
Anzahl (wie in Mons Claudianus) gefunden wurde, greife ich
mal die „geschätzten“ Zahlen von E. Sidebotham
(The Red Land The Illustrated Archaeology Of Egypts Eastern Desert) auf.

Bild

Anhand der gefundenen Wohneinheiten, die in den sieben Dörfern
und des Forts gefunden wurden, geht er von einer ständigen
Belegung von etwa 267 bis 441 Personen im gesamten
Gebiet vom Mons Porphyrites aus. Was ca. die Hälfte
der „Einwohnerzahl“ von Mons Claudianus entspricht.

Bild

Nun bewegen wir uns aber erst einmal weiter zum nächsten Tempel.
Der Tempel ist für „Zeus Helios, dem Großen Serapis“ 117 – 119 v. Chr.
errichtet worden und wird auch als Doppeltempel
für Isis Serapis / Sarapis Tempel in der Literatur erwähnt.

Bild

Ich zeige euch erst einmal eine Rekonstruktion des Tempels, wie
sich JC Golvin den Tempel vorstellt, das hilft uns auch weiter um eine
Vorstellung zu bekommen wie er wohl einst mal ausgesehen haben mag.
Auch zu diesem Tempel habe ich wieder einen Plan von
Maxfield, V.A. & Peacock, D.P.S. 2001b mit vor Ort, damit man den
Überblick behält. Auch R. Lepsius, hatte den Tempel schon einmal
„Vermessen“ und eine Skizze in seinem Buch publiziert -
Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien, Text Bd. V,
Leipzig 1913 Seite 367

Bild

von weitem ist der Tempel, der sich auf einer in den Wadi
laufenden Felsnase befindet, schon zu sehen.

Bild

Betreten wird der Tempel über diese 3,30m breite Freitreppe,
die über 18 - 20 Stufen verfügt. Hier sind die Stufen noch weit aus
besser erhalten wie in den anderen Tempeln, wie man hier
gut sehen kann. Auch habe ich euch
eine Ansicht von oben dazu gemacht, damit man die Dimensionen
der Freitreppe besser einschätzen kann.

Bild

Bild

Oben angelangt war uns wieder einmal klar, warum ich die
Pläne mitgebracht habe, denn im ersten Moment benötigt man doch eine
gewisse Zeit, bis man den Überblick bekommt.
Der Tempel nimmt den gesamten Platz auf dem Felsen ein, so dass die
leicht geböschte Außenmauer, dem Tempel einen unregelmäßigen Grundriss
verschafft. Die Rückwand wurde senkrecht aus dem Fels gearbeitet
und der Vorhof ist mit grob behauenen Granitplatten gepflastert worden.

Bild

Bild

Die Aufmerksamkeit fällt auch gleich auf den heute wieder aufrecht
stehenden Hömeraltar. Diese Art der Altäre wurden erst Ende
des 4. Jh. - Anfang des 3. Jh. v. Chr. von den Griechen nach Ägypten
importiert. Der Granit Altar ist 1,09m hoch, da er sich nach oben konisch
verjüngt hat er an der Basis einen Breite von 52cm und oben von 46cm.

Bild

Wie man unschwer erkennen kann, war er sehr grob bearbeitet
und somit nicht gerade ein Vorzeige - Altar seiner Art.
An der linken (abgeschlagenen) Ecke kann man aber
gut die Struktur des Granitsteins erkennen.

Bild

Die Einzelteile der Tempelfront oder besser gesagt der viersäuligen
Vorhalle (Prostylos) finden wir hier auch auf dem Boden verstreut.
Als erstes die Basis einer Säule, die 64cm x 64cm misst und oben
einen Durchmesser von 48cm als Auflagefläche für die Säule
aufweist- Insgesamt erreicht die Basis eine Höhe von 31cm.

Bild

Die vier Granitsäulen haben eine Länge von 3,57m. Der obere Durchmesser
der Säulen beträgt 45cm, leider habe ich in der mir zur Verfügung
stehenden Literatur keine Angaben zum unteren Durchmesser
gefunden. Es ist aber absehbar das es an der Auflagefläche der
Basis gemessen eben auch 48cm betragen haben muss.

Bild

Auch sind die Säulen selbst, ohne jegliche
Verzierung ausgearbeitet worden.

Bild

Was uns auch gleich zu den Kapitellen führt.
Das Kapitell hier ist noch fast komplett erhalten und ist 69cm x 46cm groß.
Auch hier ganz einfach ausgearbeitet, denn sonst sind die Ionischen Kapitelle
im römischen Reich aufwendig mit Voluten (Schneckenform)
und Perlsträngen verziert worden.

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Hier haben wir einen der Eckkapitell die mit einem rechten Winkel
ausgearbeitet wurden. Der andere ist leider in einem noch
schlechteren Zustand.

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Hier liegt noch ein Eckblock und weitere Blöcke des weit
vorgelagerten Kranzgesims (Geison), das zwar sehr glatt aber
ohne weitere Verzierung gefertigt wurde.

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Nun kommen wir aus meiner Sicht zu den wichtigsten Funden hier
im Tempel, zu den aus rosafarbenem Granit angefertigten Frisen.
Hier findet man noch die beschrifteten Teile, während sie ja in den
anderen beiden Tempeln „geraubt“ wurden und nur noch Aufzeichnungen
von Archäologen aus früheren Jahren, erhalten sind.
Die Frise auf den Frontblöcken enthalten die dreizeilige Weihinschrift an Serapis.

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Es war gar nicht so leicht die Übersetzung im Netz zu finden, aber wie war das ??
… man muss nicht alles wissen ..
… nur wissen wo es steht …
(und in meinem Fall) .. nur jemanden kennen der es wissen könnte.
Danke an Michael Tilgner fürs Finden.
Hier also die Übersetzung von Stefan Pfeiffer, (2020)
Nun haben wir es schwarz auf weiß oder eben in Stein gemeißelt hier stehen,
der Tempel war für Zeus Helios Megas Serapis errichtet worden
[zitat] und den Göttern, die den Tempel mit ihm teilen [zitat] -
das war dann wohl die Göttin Isis.

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Vielleicht noch etwas zu den erwähnten Personen
Der kaiserliche Sklave Epaphroditus Sigerianus, war wohl Prokurator bzw.
Pächter der beiden Steinbrüche von Mons Claudianus und Porphyrites.
Er hat auch in den beiden Brüchen die Tempel gestiftet, so sind die
Inschriften zwar nicht identisch aber inhaltlich gleich.
Rammius Martialis war Präfekt von Ägypten und
bei Marcus Ulpius Chresimus sagt uns ja die Übersetzung, dass er der
Vorsteher der Steinbrüche unter dem Centurio Proculeianus war.

Aber nun weiter zur heute noch stehenden Tür von der Nebencella in
den großen Hauptraum des Tempels. Die Türe hat eine Breite von nur 0,62m
aber dafür wurde oben auf dem Deckblock einen Türsturz ausgearbeitet.

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Wie wir von oben erkennen können, ist der Deckblock auch schon ganz
schön weit verrutscht. Was uns zu dem ganzen Aufbau des Tempels führt.
Es ist festgestellt worden, dass beim Errichten des Tempels keine
Klammerverbindung ausgearbeitet wurde, die sonst dem Gebäude ihre Stabilität gibt.
So war es nicht verwunderlich, das die Säulenfront und die restlichen Aufbauten
bei dem kleinsten Erdbeben in sich zusammen gefallen sind.

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Die Große Cella also der Hauptkultraum des Tempels liegt direkt in der Mitte
und ist 4,50m breit und 7,50m lang. Die Mauern bestehen alle aus
losem Bruchsteinmaterial, das in Lehmmörtel verlegt wurde. Auch wird
davon ausgegangen, das die Wände innen und außen verputzt waren.

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Nun widmen wir uns den beiden Seiten neben der Cella.
Hier auf dem Bild „linke Seite“ (Südlich) sieht man noch ansatzweise,
dass sich hier ein langgezogener Raum befand. Der Lageplan sagt uns aber
auch, das sich daneben gleich eine Nebencella befand, in dem ein Altar
für ein Kultbild stand. Leider hat auch hier die Natur ganze Arbeit geleistet
und hat durch Sturzfluten fast alles weggerissen. Es wird aber davon
ausgegangen, das es sich hier um den Kultraum für die Göttin Isis handelte,
da man nur hier einen Altar gefunden hat.

Auf dem Bild „linke Seite“ (zur Treppe) ist es auch schwer eine
Struktur zu erkennen. Nur anhand der Türen ist überhaupt auszumachen, wo
sich der große Nebenraum befand. Was uns noch einmal zu der hier
verehrten Götter Triade bringt, für jeden Gott seinen Kultraum,
Serapis ( Sarapis ) - Helios – Isis

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Hier in der südlichen Nebenkapelle (Nebencella) sehen wir nun auch den
Altar aus der Nähe. Die Granitbasis für das Kultbild hat eine Oberfläche
von 0,66x0,66m und eine Höhe von 1,34m. Auch hier sind leider
keinerlei Inschriften zu finden für welche Gottheit oder besser - welches
Sandbild er einst getragen hat.

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Nun noch einmal eine Übersicht des Tempels, was mich zur Konstruktion
des Tempels bringt. Es sind alle Teile eines zeitlich typischen Tempels und der
Tempelfront gefunden worden, nur fehlen wohl fünf Architravblöcke. Es
kann nur spekuliert werden warum diese fehlen, sicherlich hat der ganze
Tempelbau auch ohne sie gehalten aber es ist eben untypisch für einen
Bau dieser Zeit. Wenn man bedenkt, dass hier sicherlich keine
"Tempel Architekten" vor Ort waren, die Steinmetze ihr Handwerk
zwar verstanden, waren sie aber wohl eher unerfahren im Umgang mit
Bauplänen. So wird hier spekuliert, dass die Blöcke schlichtweg vergessen
oder statisch für nicht so wichtig erachtet wurden. Was aber fatal für den
Tempel und die Statik war. Es wurden keine Verklammerungen
oder Klammerverbindung angebracht,(wie oben erwähnt) man hatte
lediglich kleine Auflageflächen in den Stein gehauen.
Das hält zwar beim Zusammenbau aber eben nicht langfristig,
so dass er beim kleinsten Erdbeben oder den Sturmfluten nicht stand hielt.

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Unser „Jüngster“ der Truppe ist auf die Idee gekommen, dass er
die Lepsius Steinstraße, die hier am Tempel vorbei zu den Porphyr Brüchen
führt, erkunden möchte. Wir anderen haben kurz überlegt und sind zu
dem Schluss gekommen …

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…. neee das ist doch zu anstrengend und sind lieber
zu unserem Basislager zu einem leckeren Tee zurückgekehrt.

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